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Theater der Zeit, 3.2001

Das Theater propagiert die Sichtbarkeit der Welt, das Sehen und Gesehenwerden. Wenn nun, wie jetzt in Aachen, das Thema der Blindheit dramaturgisch durchexerziert wird, dann darf man ein Theater vermuten, das auch sich selbst spielt. Die Blinden auf der Bühne lehren nämlich das Publikum das Sehen und verwandeln den Spielort in eine Art Schule des Sehens. Sie demonstrieren, dass unsere Wahrnehmung nicht nur manipulierbar ist, sondern auch, dass der scheinbar sichere Grund von Wahrnehmung nur allzuleicht ins Wanken gerät. Sein und Schein präsentieren sich in ihrer ganzen Vertracktheit.

Frankfuert Allgemeine Zeitung, 15. 1. 2001

Paul Esterhazy, der hellsichtige Dramaturg, setzt in dieser Saison, seiner ersten als Intendant in Aachen, ganz auf Wahrnehmung des verfinsterten Blicks und der behinderten Aussicht – von Mozart bis heute; als Regisseur hat er Offenbachs Petitesse nicht überfor­dert. Die Skurrilität funkelt in der scharfen musikali­schen und szenischen Reduktion glänzend aus dem Dunkel des Vergessenen...

Esterhazy zwängte den Haushalt des tatsächlich blin­den, dabei höchst weitsichtigen Musikers Nuguez in Pia Janssens kleine Drehbühne, die von vier sichtbar fleißi­gen Händen immer wieder in Bewegung gesetzt wird... Kostüme, Perücken und Zylinder, selbst das Wellholz der im Prinzip herzensguten Hyacinthe sind gefleckt wie ein Stragula-Fußboden der fünfziger Jahre: aus­komponierte Sehstörung und Tarnfarbengebung...


Neue Ruhr Zeitung, 28. 12. 2000

Esterhazy geht das Werk typenkomödiantisch ... an, und das über 75 Minuten mit einer ebenso beachtlichen Konsequenz wie in seiner noch komplexeren „Figaro“-Inszenierung.


Aachener Nachrichten, 23. 12. 2000

Paul Esterhazys konzeptionelle Orientierung an der Blindheit in allen Facetten,... erreichte in einem Doppelabend mit zwei Einaktern ...einen Höhepunkt von grotesker Überspitzung. Das Premierenpublikum ... reagierte sichtlich amüsiert und letztlich begeistert auf die zusammen knapp anderthalbstündigen Clownerien. Angesichts der drastischen Regie des Hausherrn und der eigenwilligen musikalischen Bearbeitungen von Klaus Lang erstaunt der ungetrübte Beifall ein wenig.