∨ Kritik    > Besetzung    > Fotos    > Inszenierungen


Rheinischer Merkur, 21.01.2005

Paul Esterhazys Inszenierung löst sich vom Andalusien des 19. Jahrhunderts: Nichts zu sehen ist vom Saumpfad der Schmuggler oder der Arena Escamillos. Es geht um Gesten der Liebe, der Eifersucht und des Freiheitswillen.


K.West, 01.2005

Karg und rauschend.... Ein einziges Requisit genügt der Inszenierung im kahlen grauen Kubus. Mit dem ersten, vom Beckenschlag gekrönten Ansturm des Orchesters saust ein kleiner männlich-weiblicher Mehrzweck-Gegenstand vom Bühnenhimmel in die Mitte der leeren Bodenfläche. Ein hübsches Schmuckstück, eine handliche Waffe – am einen Ende öffnet sich eine Blüte, am anderen verbreitert sich der Stiel zur Dochklinge... Das vertrackte Ding schlägt einfach ein, ist da und nicht mehr wegzudenken. Wie die Liebe im Leben. Oder die Eifersucht. Ein Tänzerpaar verdeutlicht, gleichsam in Blindenschrift, die dramaturgischen Überlegungen: vom Trippeln der Annäherung à la Jugendfreundin Micaela bis zu den allzu großspurigen in Spanidad schwelgenden Ausfallschritten, wie sie vom Torero Escamillo und der abtrünnigen Schönen Carmen dem düpierten Don José unter die Nase gerieben werden.


Ulrike Gondorf im Studio, WDR Mosaik, 17.01.2005

„Esterhazy geht sehr stark vom allerersten Chor aus, wo die Spaziergänger unterwegs sind, die Flaneure. ...Mitten unter ihnen kommt es zu dieser spannenden Geschichte zwischen José und Carmen. Es gibt so eine wirklich erotisch aufgeladene Atmosphäre in dem ganzen Stück. Es gibt auch ganz viele Episoden, Begierde, Eifersucht, Rivalität, Streit unter Paaren, die noch am Rande inszeniert sind. ... Der Chor spielt immer mit. Der ganze Abend ist in Bewegung... es ist alles sehr, sehr stark im Fluss und plötzlich fällt uns wieder eine neue Episode der „Carmen und José“-Geschichte“ auf... Also, meine Meinung ist: unbedingt hingehen. Ich fand den Abend großartig.“


Aachener Nachrichten, 17.01.2005

Die Guckkastenbühne mit den zwölf Doppelschwingtüren ist schwarz und leer bis auf eine weibliche Gestalt an der Rückseite. Ein Messer mit einem Blumengriff knallt zeitgleich mit dem Beginn der Ouvertüre,,, auf die Spielfläche. Das gibt den Startschuss zu einer Inszenierung, die die Gemüter im Publikum spaltet, die fremd und “unspanisch“ abstrahiert, die an Sehgewohnheiten rüttelt und in surreal arrangierten Szenen trotzdem das Wesen der „Femme Fatale“ minutiös, sensibel und lebensnah analysiert.


Orpheus, 04.2005

Optisch ist alles anders als gewohnt – Pia Janssens quadratisch umwandete, leere Bühne benutzt allenfalls mal ein paar Stühle. Die vielen Türen dienen nicht nur für ständige Auf- und Abtritte, sondern auch für ein Spiel mit Licht. Arena des Lebens und Sterbens...


Opernglas, 03.2005

...der schwarze Bühnenguckkasten (Pia Janssen), der unnachgiebig die Vorgänge einrahmt, scheint den Akteuren regelrecht die Luft zum Atmen zu nehmen. Am Ende findet Carmen keinen Ausweg mehr aus diesem Raum, den sie bis dahin souverän beherrscht hat. Die Türen zurück ins Leben sind verschlossen. - All dies widerspricht den Sehgewohnheiten radikal und zeigt das Bemühen des Regisseurs, den Kerngedanken des Stücks klar herauszuarbeiten. ... Die einzigen Hilfsmittel, die der Regisseur bei diesem Kammerspiel zulässt, sind ein roter Stuhl und ein Requisit, das das Regiekonzept in wirklich genialer Weise auf den Punkt bringt: Die Blume, die Josés Abhängigkeit von Carmen nährt und das Messer, mit dem er sie erstechen wird, sind eins. Liebe und Tod als zwei Seiten der Wirklichkeit.